Colourpoint: Warum Siam, Birma und Co. dunkle Ohren, Pfoten und Schwanz haben
Katzenrassen · aktualisiert November 2026
Colourpoint ist eine Fellzeichnung, bei der Gesicht, Ohren, Pfoten und Schwanz dunkler sind als der helle Körper. Dahinter steckt ein temperaturempfindliches Gen: Farbe entsteht nur an den kühleren Körperstellen. Typisch ist das bei Siamkatze, Heiliger Birma, Ragdoll und Balinese. Als Rasse bezeichnet „Colourpoint“ außerdem die Colourpoint-Perser, eine Perserkatze mit Siam-Zeichnung.
Genetik: die Körpertemperatur malt das Fell
Beim Colourpoint-Gen ist ein Enzym, das für die Bildung von Farbpigment nötig ist, hitzeempfindlich. Bei normaler Körpertemperatur funktioniert es kaum, an kühleren Stellen dagegen gut. Deshalb färben sich die Körperenden, die am weitesten vom warmen Rumpf entfernt sind: Nase, Ohren, Pfoten und Schwanz.
Das Gen wird rezessiv vererbt. Eine Katze zeigt die Points nur, wenn sie die Anlage von beiden Eltern bekommt. Deshalb können zwei normal gefärbte Hauskatzen, die beide die Anlage tragen, auch einmal ein Kitten mit Siam-Zeichnung bekommen.
Weiß geboren, mit dem Alter dunkler
Colourpoint-Kitten kommen fast weiß zur Welt, weil es im Mutterleib überall gleich warm ist. Die Points erscheinen erst nach einigen Tagen bis Wochen und werden im ersten Jahr kräftiger. Auch später verändert sich das Fell: In kühlen Wohnungen und im Winter dunkelt der Körper oft nach, ältere Katzen werden insgesamt dunkler.
Ein schönes Detail: Wird an einer Stelle Fell geschoren, etwa für eine Operation, wächst es dort manchmal dunkler nach, weil die Haut ohne Fell kühler ist. Mit der nächsten Haarrunde wird es meist wieder hell.
Aussehen: Point-Farben und blaue Augen
Colourpoint-Katzen haben immer blaue Augen, denn dasselbe Gen beeinflusst auch die Pigmentierung der Iris. Die Points gibt es in vielen Farben, die Namen stammen aus der Siamzucht.
- Seal Point: dunkelbraune Points, cremefarbener Körper
- Blue Point: graublaue Points, weißlicher Körper
- Chocolate Point: milchschokoladenbraune Points
- Lilac Point: zart rosagraue Points
- Red und Cream Point: rote oder cremefarbene Points
- Tabby Point und Tortie Point: gestreifte oder schildpattfarbene Points
Rassen mit Colourpoint-Zeichnung
Die Zeichnung stammt ursprünglich von den Tempelkatzen aus dem früheren Siam, dem heutigen Thailand. Heute ist sie Teil vieler Rassen, mit sehr unterschiedlichem Charakter. Die Colourpoint-Perser, im englischen Sprachraum Himalayan genannt, entstand ab den 1930er-Jahren aus Kreuzungen von Siam- und Perserkatzen und wird heute meist als Farbvariante der Perserkatze geführt.
- Siamkatze: schlank, sehr gesprächig, aktiv und anhänglich
- Balinese: halblanghaarige Schwester der Siam
- Heilige Birma: Halblanghaar mit weißen Handschuhen an allen vier Pfoten
- Ragdoll: groß, sanft, oft entspannt beim Hochheben
- Colourpoint-Perser: Langhaar, ruhig und gemütlich
- Neva Masquerade: die Colourpoint-Variante der Sibirischen Katze
- Thai: der ursprüngliche, kräftigere Typ der Siamkatze
Charakter: es kommt auf die Rasse an
Die Zeichnung allein bestimmt nicht den Charakter. Eine Siamkatze ist ein lautes, forderndes Energiebündel, eine Colourpoint-Perser dagegen eine ruhige Sofakatze. Ragdoll und Heilige Birma liegen dazwischen: sanft, verschmust und menschenbezogen.
Allen gemeinsam ist oft eine starke Bindung an ihre Menschen. Viele Colourpoint-Rassen mögen es nicht, lange allein zu sein, und fühlen sich zu zweit wohler.
Haltung, Pflege und Gesundheit
Die Pflege hängt vom Fell ab: Siam und Thai sind pflegeleicht, Birma und Ragdoll brauchen wöchentliches Bürsten, die Colourpoint-Perser tägliches Kämmen, sonst verfilzt ihr langes Fell. Bei der Perser kommt die tägliche Reinigung der Augenwinkel dazu.
Die Zeichnung selbst ist gesund. Das Gen beeinflusst aber die Entwicklung der Sehbahnen, deshalb schielen manche Colourpoint-Katzen leicht oder haben ein schlechteres räumliches Sehen, was sie im Alltag meist gut ausgleichen. Wichtiger sind die rassetypischen Krankheiten: bei Perser die Zystenniere PKD sowie Atem- und Augenprobleme durch kurze Nasen, bei Ragdoll die Herzmuskelverdickung HCM, bei Siam unter anderem Zahnprobleme und eine erbliche Netzhauterkrankung.
Für wen ist eine Colourpoint-Katze geeignet?
Wer die Zeichnung liebt, sollte zuerst die passende Rasse wählen: Siam für aktive, gesprächige Haushalte, Ragdoll oder Birma für Familien, die eine sanfte Kuschelkatze suchen, Colourpoint-Perser für ruhige Menschen mit Zeit für Fellpflege. Bei Persern auf eine nicht extrem kurze Nase achten.
Übrigens tauchen Colourpoint-Hauskatzen auch im Tierheim auf, oft als Siam-Mix. Wer einfach die blauen Augen und dunklen Ohren mag, wird dort manchmal fündig.
Häufige Fragen
Ist Colourpoint eine Rasse?
Colourpoint ist in erster Linie eine Fellzeichnung, die bei vielen Rassen vorkommt. Als Rassename steht Colourpoint meist für die Colourpoint-Perser, also eine Perserkatze mit Siam-Zeichnung. Im englischen Sprachraum heißt sie Himalayan.
Warum haben Colourpoint-Katzen blaue Augen?
Dasselbe Gen, das die Farbbildung im Fell temperaturabhängig macht, verringert auch das Pigment in der Iris. Deshalb haben alle Colourpoint-Katzen blaue Augen, von hellem Himmelblau bis zu tiefem Saphir.
Werden Colourpoint-Katzen mit dem Alter dunkler?
Ja, meistens. Mit den Jahren und in kühler Umgebung dunkelt das Körperfell nach. Das ist normal und kein Zeichen einer Krankheit.
Können Hauskatzen Colourpoint sein?
Ja, wenn beide Eltern die rezessive Anlage tragen. Solche Katzen sehen oft aus wie Siam-Mixe. Ohne Stammbaum sind sie Hauskatzen, aber mit genauso schönen blauen Augen.